1. DFB-Pokalfinale: Wie der DFB aktive Fankultur fast unmöglich macht
    Zum zweiten Mal durften wir mit unseren SC-Frauen im Pokalfinale spielen. Was für ein grandioser Erfolg! Nächstes Mal holen wir uns den Pokal, definitiv. Und wir hoffen inständig, dass der DFB bis dahin Bedingungen geschaffen hat, die aktive Fankultur im Frauenfußball fördert statt verhindert. Denn in unserem Fall hat nur der unbedingte Wille, unseren Verein zu unterstützen, dazu geführt, dass wir unsere Reisepläne nicht abgesagt haben. Mal wieder haben wir etliche Stunden Telefonate investiert und mussten fadenscheinige Argumente widerlegen, damit wir ganz normal zum Fußball gehen können: Mit Fahnen, Trommeln, Zaunfahnen, Spruchbändern und einer Choreografie.
     
    DFB separiert Stehplätze der qualifizierten Vereine von Sitzplätzen
    Die gute Nachricht zuerst: Im Vergleich zu 2019 – auch dort unterstützen wir unseren Verein aktiv im Finale – hat der DFB daran gedacht, dass Stehplätze in einem Fußballstadion eine gute Idee wären. Jetzt die schlechte: Dieses Mal hat er sich gedacht, dass es doch kein Problem ist, die Stehplätze für SC Fans ins gegenüberliegende Eck der Freiburger Sitzplätze zu legen – und dazwischen alle Blöcke an sogenannte „neutrale“ Zuschauer*innen zu vergeben und die Tickets dieser Blöcke zu verkaufen, bevor die qualifizierten Vereine ihre Kontingente in den Verkauf geben konnten.
     
    Es brauchte den Einsatz aller Beteiligten beim Sport-Club, des Team Fanbelange des DFB und etliche Stunden Nerven unsererseits, bis alle Freiburger*innen im Eck der Haupttribüne mehr schlecht als recht zusammen stehen und sitzen konnten.
     
    Häppchenweise Verbote der Choreo-Elemente
    Die Tortur war damit jedoch noch längst nicht beendet. Natürlich haben wir auch eine Choreo geplant und sind – naiv wie wir sind – davon ausgegangen, dass hier die gleichen Regeln wie im Männerfußball gelten. Gut drei Wochen zuvor gab es schon eine Choreografie unserer Fanszene im gleichen Stadion. Wir nutzten also die gleichen Materialien und meldeten zudem rechtzeitig Konfetti & Co für eine Chaos-Choreo an.
     
    Und damit auf in Runde zwei der Absurditäten: Zuerst wurde uns Konfetti verboten, weil das zu nah an die VIP-Bereiche rankommen würde. Dann musste als Begründung für ein Verbot die Torlinientechnik herhalten, die durch das Konfetti beeinträchtigt werden könnte. Als klar wurde, dass auch dieses Argument absolut sinnfrei ist, wurde die Gefahr eines Knalltraumas für zweijährige Kinder beim Abfeuern eines Konfetti-Shooters ins Feld geführt – dies mussten wir dann mit Angaben des Lieferanten entkräften. Dann wurde Konfetti erlaubt, aber lange Schlangen an Krepp verboten – hierfür wurde einfach keine Begründung mehr geliefert. Damit aber nicht genug: Auch die geplante Blockfahne wurde abgelehnt. Die Begründung der Kölner Behörde: Das Brandschutzzertifikat würde nicht ausreichen. Komisch, denn im Männerfußball drei Wochen zuvor war das genutzte Material völlig unproblematisch. Der Umbau in Spruchbandgröße wurde dann am Stadiontor abgelehnt. Zu guter Letzt wurden alle fristgerecht angemeldeten und genehmigten Spruchbänder im Zuge der Einlasskontrollen verboten.
     
  2. Musik aus den Boxen übertönen Fangesänge
    Zum Glück kann man uns das Singen nicht verbieten. So konnten wir unser Team während des Spiels lautstark unterstüzten – auch wenn es leider nicht zum Sieg gereicht hat. Natürlich feierten wir unser Team nach dem Spiel dennoch. Denn was für ein Erfolg, im DFB-Pokalfinale zu stehen! Doch auch hier machte uns der DFB einen Strich durch die Rechnung: Statt Zeit und Raum für Siegerinnen wie Verliererinnen zu lassen, die Teams zu feiern und ihre Leistungen anzuerkennen, mussten wir auch noch nach dem Spiel gegen die Flippers & Co ansingen.
     
  3. DFB: Richtungswechsel jetzt!
    In der aktuellen Entwicklung des Frauenfußballs stecken unfassbare, großartige Potenziale. Es entsteht jedoch der Eindruck, dass aktuell alles daran gesetzt wird, ihn zu einem möglichst emotionslosen und durchkommerzialisierten Unterhaltungsspektakel zu formen. Diesen Entwicklungen stellen wir uns mit aller Entschiedenheit entgegen. Im Frauenfußball muss aus den Fehlern des Männerfußballs gelernt werden. Auch im Hinblick auf Fankultur. Hier kann der Frauenfußball zum Vorbild für eine wirklich vielfältige und bunte Fankultur werden – hört also endlich auf, diese zu verhindern und fangt umgehend damit an, diese zu fördern!

  1. Corrillo Ultras
    Supporters Crew Freiburg e.V.